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Do 27.10.2011
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Interview mit Roy Hargrove

Der Trompeter Roy Hargrove  (36) gilt als die große Hoffnung des Jazz. 2006 sind zwei Alben vom ihm gleichzeitig erscheinen – eines mit Jazz, eines mit Soul-Funk.

Mr. Hargrove, von ihnen sind gleichzeitig zwei Alben erscheinen: eine konventionelle Modern-Jazz-CD und ein Soul-Funk-HipHop-Album. Hat das einen speziellen Grund?

Hargrove: Ich hab wirklich keine Idee, warum diese CDs parallel erscheinen. Das hat wohl die Plattenfirma so entschieden. Aber es repräsentiert ungefähr, wo ich heute mit meiner Musik stehe.

Warum spielen sie mehr als nur lupenreinen Jazz?

Hargrove: Pauschal gesprochen ist es meine Liebe zur Musik. Ich möchte in keine Schublade passen. Die Welt rückt näher zusammen, es gibt viel zu entdecken. Meine Meinung ist, wenn du dich in der heutigen Welt zurechtfinden willst, musst du ein möglichst kompletter Musiker sein. Du solltest alles können.

Bei Soulmusik ist es wichtig auf den Punkt zu kommen, bei Jazz darf man auch gerne ausholen. Ist es schwer für sie das zu trennen?

Hargrove: Überhaupt nicht. Bei Funk spielst du wenige Noten, bei Jazz mehr. Na und? Schwieriger ist es nur, die Musiker zu finden, die das kapieren.

Sie spielen oft mit Soul-Sängern wie D’Angelo und Erykah Badu zusammen. Nun singen sie auch selber. Ist Soul-Gesang eine heimliche Liebe von Ihnen?

Hargrove: Als Schüler und Student habe ich mich immer in die Gospel-Kurse geschlichen. Einfach nur um zuzuhören. Erykah Badu ging mit mir zur  High School. Ich war schon immer von Sängern beeinflusst  - Nat King Cole, Shirley Horn, Billy Eckstine. Ich glaube, gerade Trompeter verehren Sänger und Sängerinnen. Miles Davis war ein großer Fan von Frank Sinatra.

Heute kann man Jazz an der Hochschule lernen. Früher nicht. Hatten es Jazzmusiker früher schwerer?


Hargrove: Ich glaube nicht. Heute gibt keinen Charlie Parker mehr, von dem man lernen kann. Jazz heißt vor allem, diese Musik live zu erleben. Es ist immer wieder eine Herausforderung, nur so lernt man. Leider gibt es nicht mehr so viele Auftrittsmöglichkeiten wie früher.

Kennen sie den deutschen Trompeter Till Brönner?

Hargrove: Na klar. Wir haben auch schon zusammen gejammt. Ich hab vergessen wo. Ich glaube auf dem Tokyo Jazz Festival.  Auf ihrer neuen CD spielt der 72-jährige Saxofonist David Newman mit. Sie sind 36. Was mache sie mit 70?
Ich hoffe, ich schaffe es bis 70. Aber ich habe da so meine Zweifel.

Weil sie ein workaholic sind? Es gibt Jazzfestivals, da sieht man sie an einem Abend auf fünf Bühnen.

Hargrove: Es geht nur so. Ich muss immer weiter. Ich fühl mich nicht gut, wenn ich nicht Musik machen kann.

Sie haben zweimal den Grammy gewonnen. Was bedeutet dieser Preis für sie?

Hargrove: Es ist auf jeden Fall eine große Ehre. Gerade , wenn man Jazzmusiker ist. Die Frage ist nur: fällt das jemandem auf? Auf jeden Fall verdienst du damit nicht mehr Geld. Wenn du ein Popstar bist, ist das was anderes. Da geht es dann eher darum, wie viele Grammys du gewinnst.  

Geht es dem Jazz schlecht oder besser als früher?

Hargrove: Schlechter. Es gibt weniger Auftrittsmöglichkeiten. Durch die harte Konkurrenz am Markt ist es zudem schwierig ein Gemeinschaftsgefühl unter Jazzmusikern zu entwickeln. Aber letztendlich gilt: du musst lieben was du machst. Du musst alles geben. Selbst wenn du nur vor drei Leuten spielst.

Aber ein Roy Hargrove muss nicht mehr vor drei Leuten spielen...

Hargrove: Aber klar, ich spiele egal, wie viele Menschen kommen.

HAZ: Mal angenommen: hier in der Hotellobby würde eine Cocktailjazzband spielen und sie  fragen, ob sie mitspielen wollen. Würden sie ja sagen?

Hargrove: Aber klar, wenn ich die Möglichkeit habe zu spielen, bin ich dabei.

Aktuelle CDs: Roy Hargrove: „Nothing Serious“, „Distractions“

(Verve/Universal)



Interview: Bernd Schwope


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